Krimi · Uncategorized

Ballade einer vergessenen Toten – Liza Cody

Amy, als Schriftstellerin erfolglos, vom erfolgreichen Gatten gerade verlassen, sitzt in einem Café und brütet vor sich hin, als sie im Radio einen Song aus den 80-zigern hört, der sie an die Band Sisterhood, vor allem aber an Elly Astoria erinnert. Letztere eine begnadete Songwriterin und Musikerin, die auf brutale Weise ermordet wurde. Spontan beschließt sie Elly Astorias Biografie zu schreiben. Sie beginnt mit der Recherche, spricht mit denen die Elly kannten, mit den Nachbarn, der Lehrerin und den Frauen der Band „Sisterhood“. Doch Elly und ihr Schicksal sind schwer zu greifen und je mehr Amy zu erfahren versucht, je mehr gerät sie in Gefahr.

Wie meistens bei Liza Cody ist es ein Krimi und doch wieder nicht. Es gibt keine klassische Ermittlerin, in Lady Bag und Krokodile und edle Ziele ist es eine Obdachlose, in Miss Terry eine muslimische Lehrerin, hier nun eine Schriftstellerin, die einfach nur ein Buch schreiben will und bei der Recherche mehr und mehr im Sumpf aus Lügen, Verrat und Gewalt zu versinken droht, gleichzeitig aber auch sich selbst ein gutes Stück näher kommt.

Besonders gefallen hat mir die Erzählweise, die die Autorin für dieses Buch gewählt hat. Die Geschichte wird nicht straight von Punkt A zu Punkt B erzählt, sondern in Form von Tagebuchfragmenten, Interviews, Notizen und Beobachtungen. Eine Recherche eben.

Ballade einer vergessenen Tote

Autorin: Liza Cody

Übersetzer: Martin Grundmann

Verlag: Ariadne Argument

ISBN 978-3-8675423-88

Preis: 22,00 € Hardcover

Norwegen · Roman

Echo eines Freundes – Ingvar Ambjørnsen

Elling ist wieder da. 20 Jahre war er … woanders. Wo verrät er nicht so genau, es blitzt nur so dann und wann auf und die Leser!nnen der vier ersten Ellingbücher können sich denken, dass es wohl eine psychiatrische Abteilung war. Doch nun, Elling ist Ende 50, bezieht er eine Kellerwohnung, er nennt sie Sockelwohnung, weil es vornehmer klingt, bei Annelore Frimann-Clausen, einer Witwe die sich ihren 80zigern nähert.

Elling wäre nun nicht Elling, wenn er nicht sofort in Grübeleien versinken und sich fragen würde, ob Annelore vielleicht sexuelle Spekulationen über ihn, den so viel Jüngeren anstellt, ob die Kassiererin im Supermarkt Interesse an ihm hat und wie und ob er den Schimmelpilz im Bad bei der monatlichen Aussprache erwähnen soll. Dieser stört ihn doch sehr, aber er möchte nichts Negatives über die Sockelwohnung sagen. Dann sind da noch die Nachbarn, die Meijers, mit denen Frau Frimann-Clausen im Streit ist und zu denen so natürlich auch kein freundschaftliches Miteinander für ihn möglich ist. Doch am meisten leidet Elling unter dem Verlust seiner Freunde, Kjell Bjarne und Alfons Jørgensen, die beide tot sind. Er ist einsam. Dann entdeckt er Facebook für sich, wovon er bis dato keine gute Meinung hatte.

Es gibt eine Menge Idioten auf der Welt und die meisten sind auf Facebook

Elling

Er beschließt einen Account einzurichten. Doch nicht als Elling, nein, dort wird der zu Chris Brenna, der eloquent über Essen plaudert, damit einen gewissen Erfolg hat und so ist, wie Elling gerne wäre.

Elling ist älter geworden, er hat in den 20 Jahren seiner Abwesenheit, einiges über seine Grüblereien gelernt, kann sie mittlerweile öfters als solche einordnen und mit der Realität abgleichen. Immer noch kämpft er mit seinen Macken, doch er gewinnt öfter und obwohl er einerseits stabiler wirkt, rührt er die Leser!innen um so mehr, in seinem Ringen um Normalität, in seiner Einsamkeit und wenn er sich in Fantasien über die Frauen seiner Umgebung verliert. Letzteres ist nie purer Geilheit geschuldet, sondern eher dem Wunsch nach einer Beziehung und der traurigen Erkenntnis, dass es so etwas für ihn wohl nicht geben wird.

Immer wenn ein Autor einen Charakter wieder aufleben lässt, besteht die Gefahr, dass es ein Abklatsch des früheren wird. Davor ist man bei Ingvar Amjørnsen gefeit. Er erlaubt seiner Figur zu wachsen, sich zu verändern, zu scheitern und wieder aufzustehen oder auch mal liegenzubleiben. Kurz, er erlaubt ihr zu leben. Wie immer ist seine Sprache klar und sein Blick auf die Welt schonungslos, doch nie zynisch. Es gibt kaum einen anderen Autor, dem es gelingt, mich derart zum Lachen und zum Weinen zu bringt, manchmal sogar über dieselbe Szene.

Leser!nnen, die die früheren Elling-Romane nicht kennen, sollten nicht zurückschrecken, weil sie vielleicht den einen oder anderen Namen aus Ellings Vergangenheit nicht einordnen können. Die Übersetzerin, Gabriele Haefs, hat ein Nachwort geschrieben, in dem sie erklärt welche Rolle wer in Ellings Leben spielte und in welchem Band. Ehrlich gesagt, ich habe große Lust bekommen „Ausblick aufs Paradies“, „Ententanz“, „Blutsbrüder“ und „Lieb mich morgen“, noch einmal zu lesen.

Auf der Webseite des Autors findet sich ein Interview zu Elling 5: http://www.ingvar-ambjoernsen.de/ambjoernsen_elling5.htm?fbclid=IwAR1cQ5MCB-vPrbwAiX2d_uYlntqOhMUPgnNeL0tzSYfdtl3hhrH6Wbs-BGs

Echo eines Freundes – Ein Elling Roman

Autor: Ingvar Ambjørnsen

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Verlag: Edition Nautilus

ISBN 978-3-9605418-37

Preis: 24,00 €

Sachbücher · Uncategorized · Wales

111 Gründe Wales zu lieben von Gabriele Haefs

Wales muss schön sein, dass hört man immer wieder, wenn man den Namen dieses kleinen Landes erwähnt, aber komischerweise wissen die wenigsten mehr. Vielleicht noch, dass es dort scheinbar unaussprechliche Ortsnamen gibt und die literarisch Interessierten werden natürlich sofort mit verträumten Blick an Dylan Thomas denken, wobei im literarischen Spektrum einiges mehr zu bieten. Die legt Gabriele Haefs in 111 Gründen dar und, wie sie am Ende hinzufügt, es würde leicht noch mehr als diese 111 Gründe geben Wales zu lieben. Übrigens, wer dieses Buch nicht in der Mitte, sondern von Anfang anfängt, wird bald die Namen der Orte nicht mehr so unaussprechlich halten, es gibt eine kleine Einführung in die kymrische Sprache.

Alleine schon die wildromantische Landschaft, die Berge, das Meer und die Burgen, würden zu einem Besuch einladen, aber eben auch die Eigenheiten, wie die Tunnel, die das Land unterziehen und der Hang zum Brückenbauen. Wer hätte gedacht, dass in Wales der würzigste Lavendel wächst, die Femme Fatales fataler und der walisische Robin Hood robinhoodiger als alles bekannte ist? Es ist eine schöne Lesereise. Ein Ausflug nicht nur in die Landschaft, sondern in die Musik, die Dichtung, die Küche und die Eigenheiten der Bewohner!nnen, kurz in die Seele des Landes und der sangesfreudigen Waliser und Waliserinnen.

Das passende Buch für alle, die gedenken nach Wales zu reisen und für die , die bereits dort waren. Es ist aber auch ideal, für jene, die vielleicht eine Reise nach Irland planen. Denn wie die Autorin so treffend bemerkt, es ist nicht unbedingt nötig, der Irischen See zu trotzen, vieles, was es in Irland gibt, ist auch in Wales überreichlich vorhanden.

111 Gründe Wales zu lieben

Autorin: Gabriele Haefs

Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf

ISBN: 9783862657544

Preis: 14,99 €

Fantasy

Oberons blutigen Fälle von Kevin Hearne

Wer Kevin Hearnes Fantasyserie um den eisernen Druiden Atticus O’Sullivan kennt, kennt natürlich auch Oberon, den irischen Wolfshund des eisernen Druidens und die anregenden Unterhaltungen der Beiden. Wer sie nicht kennt, sollte sich schnellstens aufmachen und sie kennenlernen, denn sie sind schon etwas Besonders, spannend, lustig und originell. Da Oberon ein ausgemachter Liebling der Fans der Serie ist, hat der Autor in Oberons blutige Fälle zwei längere Kurzgeschichten zusammengefasst, in denen aus Oberons Sicht erzählt wird und nicht wie sonst aus der Atticus. Oberon liebt es in Rollen zu schlüpfen und ist in diesen Geschichten als Sherlock Holmes unterwegs. Er deckt einen Hundediebstahl auf und während er und sein Druide dem merkwürdigen Verhalten eines Eichhörnchens nachgehen, auch noch einen Mord.

Wer auf der Suche nach kurzweiliger, origineller Lektüre im Genre Fantasy ist, ist bei Kevin Hearne, Atticus und Oberon gut aufgehoben. Übersetzt wurde Oberons blutige Fälle von Friedrich Mader.

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Märchen · Norwegen

Mit Espen Aschenbengel zu neuen Abenteuern im Land der Trolle – Norwegische Märchen von Peter Christen Asbjønsen und Jørgen Moe

Vor sechs Jahren erschien der erste Band der Norwegischen Märchen aus der Sammlung von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe, neu übersetzt und herausgegeben von Åse Birkenheier, in dem die Herausgeberin uns mit der norwegischen Version des Aschenputtels, mit eben Espen Aschenbengel, bekannt machte. Nun gibt es einen 2. Band der norwegischen Volksmärchen, mit einem Vorwort von Dr. Gabriele Haefs. Während die Herausgeberin im 1. Band ihre Lieblingsmärchen präsentierte, gibt es im 2. Band eine Dreiteilung.

  • Lustiges und Nachdenkliches aus der Tierwelt
  • Prinzessinnen und Weiber – starke und außergewöhnliche Frauen im Land der Trolle
  • Trolle und Zauberei – unterwegs mit Espen Aschenbengel

Wie Dr. Gabriele Haefs im Vorwort schreibt, sind die Grundmotive von Märchen im Grunde in jedem Land gleich und unterscheiden sich eher durch die Landschaft und die Lebensumstände der Menschen. Das ist auch hier so, viele Motive kommen Leser!nnen der Sammlungen der Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen bekannt vor und doch hat die norwegische Version etwas besonderes und nimmt uns mit in die einzigartige Landschaft Norwegens, wo es leicht ist an Trolle zu glauben. Mir persönlich gefällt besonders die Version des Aschenputtels, eben dieses verträumte Schlitzohr Espen Aschenbengel, dem seine Brüder nichts zutrauen, sitzt er doch am liebsten am Feuer und bläst in die Asche, der dann aber doch alle anderen bei den zu bestehenden Abenteuern überflügelt und schließlich das halbe Königreich und die Prinzessin gewinnt.

Es ist eine wahrlich schöne Sammlung, die ich nur empfehlen kann. Zum Märchenlesen ist man nie zu alt, und auch nicht zu jung, um sie sich erzählen oder vorlesen zu lassen.

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Roman

Den Oridongo hinauf von Ingvar Ambjørnsen

Der Protagonist, Ulf Vågsvik, der sehr Ellingresk wirkt (ob er es ist oder nicht, will ich hier nicht verraten), ist mit leichtem Gepäck auf eine Insel in Nordwestnorwegen gezogen. Seine Brieffreundin Berit hatte ihn eingeladen auf Besuch zu kommen. Doch er bliebt. Ausgerüstet mit 6 Unterhosen, 4 Hemden und 2 Hosen in einem Lederkoffer und einem Hut, der bald das Zeitliche segnet, landet er auf der Insel und bei Berit. Diese Beiden haben sich langsam in einem gemeinsamen Leben eingerichtet, als eine niederländische Familie beschließt sich auf der Insel nieder zu lassen. Die Insel Gemeinschaft ist hocherfreut, denn es werden Steuergelder gebraucht. Also wird der Familie ein großer Bahnhof bereitet. Während der Begrüßungsfeier geschieht etwas, dass den Sohn der Einwanderer zu tiefst verstört und er läuft weg. Die ganze Insel sucht. Ulf Vågsvik findet den Jungen schließlich, als schon alle die Hoffnung aufgegeben haben. Das Kind ist zutiefst verstört und schweigt, einzig zu Ulf fasst er Vertrauen.

Als Ulf Vågsvik mit seinem Koffer und seinem Hut auf die Insel ging, glaubte er seine Vergangenheit und seinen alten Namen hinter sich gelassen zu haben. Nun wird er durch Tom, den verstörten 12-jährigen Jungen, erneut mit seinem früheren Leben konfrontiert.

Ingvar Ambjørnsen schreibt in klaren Worten. Er ist unprätentiös und scheut sich auch nicht die Abgründe, die in jeder Menschenseele lauern auszuloten. Es ist nicht nur die Reise auf eine norwegische Insel und eine Beschreibung ihrer Bewohner!nnen. Es ist eine Reise in die Seele eines Menschen. Ambjørnsen Sprache ist wundervoll, kristallklar und bildhaft.

Der Autor schreibt seine Bücher auf norwegisch. Was ja wohl auch logisch ist. Er lebt allerdings seit Jahren in Hamburg und ist mit der Übersetzerin Gabriele Haefs verheiratet. Gabriele Haefs hat auch dieses Buch übersetzt.

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Roman

Ich heiße nicht Miriam von Maigull Axelsson

Es ist Miriam Guldbergs 85. Geburtstag, an dem ihre Familie ihr ein Armband schenkt, in dem ihr Name eingraviert ist. Sie sieht die Gravur und sagte plötzlich: Ich heiße nicht Miriam! Was auch stimmt, denn Miriam heißt eigentlich Malika und ist eine Romni, eine Zigeunerin, die auf dem Transport von Auschwitz nach Ravensbrück die Identität der toten Miriam Goldberg annahm. Später dann, als sie durch das Rote Kreuz nach Schweden kam, hat sie diesen Irrtum aus guten Grund nicht aufgeklärt, denn Zigeuner durften sich in Schweden nicht niederlassen. Siebzig Jahre hat sie ihre Geschichte verschwiegen, eine Geschichte, die ihr jeden Tag präsent war und die sie nun ihrer Enkelin Camilla erzählt.

Majgull Axelsson hat mit “Ich heiße nicht Miriam” einen ganz besonderen Roman geschrieben. Es geht um Vorurteile, um Identität und Angst. Für ihre Protagonistin ist die Zeit im Konzentrationslager immer präsent, nicht im Zurückerinnern des täglichen Überlebenskampfes, sondern alleine dadurch, dass sie immer wieder Angst hat sich zu verraten, alles zu verlieren, denn ihr ist bewusst, dass auch die freundlichen Schweden, die voller Mitleid für die Opfer des Naziregimes sind und Hilfe bieten, eine Klasse zu tiefst verachten und das sind die Zigeuner und so ist Miriam auch nach dem Krieg bewusst, dass ihr mühsam aufgebautes neues Leben, zerbrechen wird, wenn herauskommt, dass sie bezüglich ihrer Herkunft gelogen hat.

Es ist ein zutiefst berührendes Buch und ein wichtiges. Gerade in Zeiten in denen wieder Flüchtlingsheime brennen und Menschen wegen ihrer Herkunft und Religion diskriminiert werden, sollte diese Geschichte gelesen werden.

Ich heiße nicht Miriam, Majgull Axelsson, Übersetzerin: Christel Hildebrand

Roman

Land der Söhne von Milena Moser

Schauplatz des neuen Milena Moser Romans Land der Söhne ist größtenteils New Mexico. Gìo ist mit seiner 11-jährigen Tochter Sofia auf der Reise zu einem der Orte, an dem er eine besondere Zeit seiner Kindheit verbracht hat. Sein Vater Lou ist gestorben und es ist an der Zeit sich der Vergangenheit zu stellen.

Luigi Bernasconi kommt in den 1940-ziger Jahren mit seiner Mutter in die USA. Schnell gibt er die Hoffnung auf, dass der Vater wie versprochen nachkommt.  Die Mutter hat bald einen neuen Partner und Luigi wird in eine Outdoor Scool nach New Mexico abgeschoben. Hier wird er zu Lou und soll zum Mann erzogen werden. Major Bartlett, der Schulleiter, hat da bestimmte Vorstellungen, die weit über das gewöhnlich und gesellschaftlich akzeptable hinausgehen. Später wird Lou zu einem einflussreichen Filmproduzenten in Hollywood. Er heiratet Tara, die nach dem Scheitern der Ehe mit dem gemeinsamen Sohn Gío in eine Hippiekommune zieht, wo sie ihn sich selbst überlässt, während sie ihr Bewusstsein erweitert und der freien Liebe frönt. Eines Tages ist sie verschwunden und Gío bleibt allein zurück. Die Kommune löst sich auf und Gío wird im benachbarten Pueblo abgegeben, wo er bei der Familie Ortiz lebt, bis sein Vater ihn zwingt wieder zu ihm zu ziehen. Das Verhältnis der Beiden ist  ebenfalls nicht unbelastet, da Papa Lou einige der Vorstellungen, wie Männer zu Männern werden, von Major Bartlett übernommen hat. Gío verlässt seinen Vater so schnell wie möglich, wird Flimarchivar, nimmt den Namen Ortiz an und heiratet den Friseur Santiago, mit dem er die gemeinsame Tochter Sofia großzieht.

Milena Moser entfaltet diese Familiengeschichte, in drei Strängen, einen für jede Generation, jeweils aus der Sicht des Kindes.  So gewaltig die Themen dieses Romans sind,  Missbrauch, Vernachlässigung, künstliche Befruchtung, Leihmutterschaft, um nur einige zu nennen,  ist die Geschichte an keiner Stelle überfrachtet. Die Autorin hat mit scheinbar leichter Hand ein Schwergewicht geschaffen, das in der Erkenntnis mündet:

Es gibt keinen Grund sich für das, was dir widerfahren ist zu schämen. Es ist nicht dein Problem, es ist das Problem dessen, der es dir angetan hat.

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Samson & Roberto – Glück & Spuk und ach herje von Ingvar Ambjørnsen

Der Kater Roberto und der Hund Samson leben in der Stadt und haben es nicht leicht, so arm wie sie sind. Da kommt das Erbe von Samson Onkel Rin Tin Tei gerade recht. Nun sind sie Besitzer von 14 Kronen und einer Pension mit dem schönen Namen Fjordlicht. Sofort machen sie sich auf, um ihren neuen Besitz in Augenschein zu nehmen. Doch was erwartet sie? Ein baufälliges Haus, in dem es auch noch spuken soll. Die nötigen Reparaturen, erweisen sich als das geringste Problem. Olly, ein sehr aktives Ottermädchen mit Handwerksbetrieb und Freude daran, wenn andere ihr Geld schulden, übernimmt den Fall und richtet alles in kürzester Zeit so her, dass die Gäste kommen können. Bliebe nur noch dem Spuk auf dem Grund zu gehen. Auch das ist irgendwann getan. Nun gilt es nur noch die Gäste, die doch sehr verschiedenartig sind, unter einen Hut zu bringen.

Glück und Spuk und Ach Herrje, ist der erste Teil von Ingvar Ambjørnsens Samson & Roberto Reihe und wurde gerade bei dtv neu aufgelegt. Das hat mich so sehr gefreut. Schon früher habe ich die Bücher um die beiden Pensionsbesitzer mit Begeisterung gelesen und auch meine Enkelinnen lieben sie. Lustig und hintersinnig, wird vermittelt, wie ein tolerantes Zusammenleben funktionieren sollte. Fein illustriert ist das Buch von Peter Schüssow. Überhaupt ist das Buch sehr schön aufgemacht und ich hoffe sehr, dass auch die anderen Teile neu aufgelegt werden. Die Übersetzerin ist Gabriele Haefs.

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Autobiografien/Biografien

Die Welt die meine war- die 60ziger Jahre – Ketil Bjørnstad

Ketil Bjørnstad erinnert sich nicht einfach an das Jahrzehnt des kalten Krieges, der Mondlandung, der Beatles, er geht zurück in die Zeit. Erzählt von dem fettem, unsicheren Kind, das er war, das Chrustschow toll findet, aber Kennedy misstraut, weil der einfach zu gut aussieht, zu geleckt ist. Der junge Ketil ist ein Außenseiter. Der Vater ist Sozialist und fördert früh das Politikinteresse des Jungen, die Mutter ist die musisch Begabte, von der er die Liebe zur Musik hat. Beide Eltern fördern sein musikalisches Talent. Obwohl er in einer intakten Familie aufwächst, ist er von der Angst getrieben, dass die Eltern sich trennen könnten. Jung-Ketil hat es insgesamt nicht leicht. Schon sein Übergewicht macht ihn zum Außenseiter, er passt nicht die klassische Männerrolle. Die Mädchen für die er sich interessiert, irritieren ihn genau so sehr, wie sie ihn anziehen. Kindheit und Adoleszens sind wahrlich kein Ponyhof.

Als ich vom Projekt des norwegischen Musikers und Autors Ketil
Bjørnstad erfuhr, jedem Jahrzehnt seines Lebens einen autobiografischen Roman zu widmen, war meine erste Reaktion: Ach nee, nicht noch so etwas wie Knausgard. Der hatte mich mit seiner Nabelschau furchtbar angeödet, Das ich mich letztlich doch an dieses 830 Seiten starke Werk gemacht habe, hatte in erster Linie damit zu tun, dass ich Ketil Bjørnstad als Autor sehr schätze. Vindings Spiel und Emma, um nur zwei seiner Bücher zu nennen, haben mich tief berührt und genau so ging es mir mit Die Welt die meine war – Die 60ziger Jahre. Ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Die Welt die meine war – die sechziger Jahre, Ketil Bjørnstad, Übersetzer!innen: Kerstin Reimers, Andreas Brunstermann und Gabriele Haefs, Verlag: Osburg.