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Ballade einer vergessenen Toten – Liza Cody

Amy, als Schriftstellerin erfolglos, vom erfolgreichen Gatten gerade verlassen, sitzt in einem Café und brütet vor sich hin, als sie im Radio einen Song aus den 80-zigern hört, der sie an die Band Sisterhood, vor allem aber an Elly Astoria erinnert. Letztere eine begnadete Songwriterin und Musikerin, die auf brutale Weise ermordet wurde. Spontan beschließt sie Elly Astorias Biografie zu schreiben. Sie beginnt mit der Recherche, spricht mit denen die Elly kannten, mit den Nachbarn, der Lehrerin und den Frauen der Band „Sisterhood“. Doch Elly und ihr Schicksal sind schwer zu greifen und je mehr Amy zu erfahren versucht, je mehr gerät sie in Gefahr.

Wie meistens bei Liza Cody ist es ein Krimi und doch wieder nicht. Es gibt keine klassische Ermittlerin, in Lady Bag und Krokodile und edle Ziele ist es eine Obdachlose, in Miss Terry eine muslimische Lehrerin, hier nun eine Schriftstellerin, die einfach nur ein Buch schreiben will und bei der Recherche mehr und mehr im Sumpf aus Lügen, Verrat und Gewalt zu versinken droht, gleichzeitig aber auch sich selbst ein gutes Stück näher kommt.

Besonders gefallen hat mir die Erzählweise, die die Autorin für dieses Buch gewählt hat. Die Geschichte wird nicht straight von Punkt A zu Punkt B erzählt, sondern in Form von Tagebuchfragmenten, Interviews, Notizen und Beobachtungen. Eine Recherche eben.

Ballade einer vergessenen Tote

Autorin: Liza Cody

Übersetzer: Martin Grundmann

Verlag: Ariadne Argument

ISBN 978-3-8675423-88

Preis: 22,00 € Hardcover

Krimi

Kritische Masse – Sara Paretsky

V. I. Warshawsi ist auf der Suche der drogensüchtigen Judy Binder, nachdem diese einer alten Freundin auf dem AB die Nachricht hinterlassen hat, dass sie sich in Gefahr befindet. Als Warshawski den letzten Wohnsitz der Frau aufsucht, irgendwo im ländlichen Illinois, findet sie nur eine zerstörte Methküche, einen toten Hund und die Leiche eines Mannes in einem Maisfeld, an dem sich die Krähen bereits gütlich getan haben. Von Judy Binder keine Spur. Als sie weiter ermittelt, wird dieser scheinbar so einfache Fall immer komplizierter und seine Wurzeln gehen weit zurück in das Österreich der 30-ziger Jahre und die Nazizeit und es wird immer gefährlicher für Warshawski, denn nicht nur die üblichen Dealer und Gangster machen ihr das Leben schwer, sondern auch eine hochangesehene Computerfirma und der Heimatschutz.

Sara Paretzky und ihre Detektivin V. I. Warshawski, ein wohlbekanntes Team und, meiner bescheidenen Meinung nach, in diesem Buch in Höchstform. Ein scharfer Blick auf die politische Vergangenheit Amerikas, das Schicksal von Flüchtlingen und die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage, geben den Ermittlungen einen soliden Unterbau und nehmen dem klassischen Krimi-Noir-Stil jede Verstaubtheit. Im Gegenteil, es ist ein heutiges Buch, in dem sehr deutlich wird, wie Vergangenheit und Gegenwart sich beeinflussen. Spannung pur über immerhin 534 Seiten.