Norwegen · Roman

Echo eines Freundes – Ingvar Ambjørnsen

Elling ist wieder da. 20 Jahre war er … woanders. Wo verrät er nicht so genau, es blitzt nur so dann und wann auf und die Leser!nnen der vier ersten Ellingbücher können sich denken, dass es wohl eine psychiatrische Abteilung war. Doch nun, Elling ist Ende 50, bezieht er eine Kellerwohnung, er nennt sie Sockelwohnung, weil es vornehmer klingt, bei Annelore Frimann-Clausen, einer Witwe die sich ihren 80zigern nähert.

Elling wäre nun nicht Elling, wenn er nicht sofort in Grübeleien versinken und sich fragen würde, ob Annelore vielleicht sexuelle Spekulationen über ihn, den so viel Jüngeren anstellt, ob die Kassiererin im Supermarkt Interesse an ihm hat und wie und ob er den Schimmelpilz im Bad bei der monatlichen Aussprache erwähnen soll. Dieser stört ihn doch sehr, aber er möchte nichts Negatives über die Sockelwohnung sagen. Dann sind da noch die Nachbarn, die Meijers, mit denen Frau Frimann-Clausen im Streit ist und zu denen so natürlich auch kein freundschaftliches Miteinander für ihn möglich ist. Doch am meisten leidet Elling unter dem Verlust seiner Freunde, Kjell Bjarne und Alfons Jørgensen, die beide tot sind. Er ist einsam. Dann entdeckt er Facebook für sich, wovon er bis dato keine gute Meinung hatte.

Es gibt eine Menge Idioten auf der Welt und die meisten sind auf Facebook

Elling

Er beschließt einen Account einzurichten. Doch nicht als Elling, nein, dort wird der zu Chris Brenna, der eloquent über Essen plaudert, damit einen gewissen Erfolg hat und so ist, wie Elling gerne wäre.

Elling ist älter geworden, er hat in den 20 Jahren seiner Abwesenheit, einiges über seine Grüblereien gelernt, kann sie mittlerweile öfters als solche einordnen und mit der Realität abgleichen. Immer noch kämpft er mit seinen Macken, doch er gewinnt öfter und obwohl er einerseits stabiler wirkt, rührt er die Leser!innen um so mehr, in seinem Ringen um Normalität, in seiner Einsamkeit und wenn er sich in Fantasien über die Frauen seiner Umgebung verliert. Letzteres ist nie purer Geilheit geschuldet, sondern eher dem Wunsch nach einer Beziehung und der traurigen Erkenntnis, dass es so etwas für ihn wohl nicht geben wird.

Immer wenn ein Autor einen Charakter wieder aufleben lässt, besteht die Gefahr, dass es ein Abklatsch des früheren wird. Davor ist man bei Ingvar Amjørnsen gefeit. Er erlaubt seiner Figur zu wachsen, sich zu verändern, zu scheitern und wieder aufzustehen oder auch mal liegenzubleiben. Kurz, er erlaubt ihr zu leben. Wie immer ist seine Sprache klar und sein Blick auf die Welt schonungslos, doch nie zynisch. Es gibt kaum einen anderen Autor, dem es gelingt, mich derart zum Lachen und zum Weinen zu bringt, manchmal sogar über dieselbe Szene.

Leser!nnen, die die früheren Elling-Romane nicht kennen, sollten nicht zurückschrecken, weil sie vielleicht den einen oder anderen Namen aus Ellings Vergangenheit nicht einordnen können. Die Übersetzerin, Gabriele Haefs, hat ein Nachwort geschrieben, in dem sie erklärt welche Rolle wer in Ellings Leben spielte und in welchem Band. Ehrlich gesagt, ich habe große Lust bekommen „Ausblick aufs Paradies“, „Ententanz“, „Blutsbrüder“ und „Lieb mich morgen“, noch einmal zu lesen.

Auf der Webseite des Autors findet sich ein Interview zu Elling 5: http://www.ingvar-ambjoernsen.de/ambjoernsen_elling5.htm?fbclid=IwAR1cQ5MCB-vPrbwAiX2d_uYlntqOhMUPgnNeL0tzSYfdtl3hhrH6Wbs-BGs

Echo eines Freundes – Ein Elling Roman

Autor: Ingvar Ambjørnsen

Übersetzerin: Gabriele Haefs

Verlag: Edition Nautilus

ISBN 978-3-9605418-37

Preis: 24,00 €