Krimi · Uncategorized

Ballade einer vergessenen Toten – Liza Cody

Amy, als Schriftstellerin erfolglos, vom erfolgreichen Gatten gerade verlassen, sitzt in einem Café und brütet vor sich hin, als sie im Radio einen Song aus den 80-zigern hört, der sie an die Band Sisterhood, vor allem aber an Elly Astoria erinnert. Letztere eine begnadete Songwriterin und Musikerin, die auf brutale Weise ermordet wurde. Spontan beschließt sie Elly Astorias Biografie zu schreiben. Sie beginnt mit der Recherche, spricht mit denen die Elly kannten, mit den Nachbarn, der Lehrerin und den Frauen der Band „Sisterhood“. Doch Elly und ihr Schicksal sind schwer zu greifen und je mehr Amy zu erfahren versucht, je mehr gerät sie in Gefahr.

Wie meistens bei Liza Cody ist es ein Krimi und doch wieder nicht. Es gibt keine klassische Ermittlerin, in Lady Bag und Krokodile und edle Ziele ist es eine Obdachlose, in Miss Terry eine muslimische Lehrerin, hier nun eine Schriftstellerin, die einfach nur ein Buch schreiben will und bei der Recherche mehr und mehr im Sumpf aus Lügen, Verrat und Gewalt zu versinken droht, gleichzeitig aber auch sich selbst ein gutes Stück näher kommt.

Besonders gefallen hat mir die Erzählweise, die die Autorin für dieses Buch gewählt hat. Die Geschichte wird nicht straight von Punkt A zu Punkt B erzählt, sondern in Form von Tagebuchfragmenten, Interviews, Notizen und Beobachtungen. Eine Recherche eben.

Ballade einer vergessenen Tote

Autorin: Liza Cody

Übersetzer: Martin Grundmann

Verlag: Ariadne Argument

ISBN 978-3-8675423-88

Preis: 22,00 € Hardcover

Sachbücher · Uncategorized · Wales

111 Gründe Wales zu lieben von Gabriele Haefs

Wales muss schön sein, dass hört man immer wieder, wenn man den Namen dieses kleinen Landes erwähnt, aber komischerweise wissen die wenigsten mehr. Vielleicht noch, dass es dort scheinbar unaussprechliche Ortsnamen gibt und die literarisch Interessierten werden natürlich sofort mit verträumten Blick an Dylan Thomas denken, wobei im literarischen Spektrum einiges mehr zu bieten. Die legt Gabriele Haefs in 111 Gründen dar und, wie sie am Ende hinzufügt, es würde leicht noch mehr als diese 111 Gründe geben Wales zu lieben. Übrigens, wer dieses Buch nicht in der Mitte, sondern von Anfang anfängt, wird bald die Namen der Orte nicht mehr so unaussprechlich halten, es gibt eine kleine Einführung in die kymrische Sprache.

Alleine schon die wildromantische Landschaft, die Berge, das Meer und die Burgen, würden zu einem Besuch einladen, aber eben auch die Eigenheiten, wie die Tunnel, die das Land unterziehen und der Hang zum Brückenbauen. Wer hätte gedacht, dass in Wales der würzigste Lavendel wächst, die Femme Fatales fataler und der walisische Robin Hood robinhoodiger als alles bekannte ist? Es ist eine schöne Lesereise. Ein Ausflug nicht nur in die Landschaft, sondern in die Musik, die Dichtung, die Küche und die Eigenheiten der Bewohner!nnen, kurz in die Seele des Landes und der sangesfreudigen Waliser und Waliserinnen.

Das passende Buch für alle, die gedenken nach Wales zu reisen und für die , die bereits dort waren. Es ist aber auch ideal, für jene, die vielleicht eine Reise nach Irland planen. Denn wie die Autorin so treffend bemerkt, es ist nicht unbedingt nötig, der Irischen See zu trotzen, vieles, was es in Irland gibt, ist auch in Wales überreichlich vorhanden.

111 Gründe Wales zu lieben

Autorin: Gabriele Haefs

Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf

ISBN: 9783862657544

Preis: 14,99 €

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Samson & Roberto – Glück & Spuk und ach herje von Ingvar Ambjørnsen

Der Kater Roberto und der Hund Samson leben in der Stadt und haben es nicht leicht, so arm wie sie sind. Da kommt das Erbe von Samson Onkel Rin Tin Tei gerade recht. Nun sind sie Besitzer von 14 Kronen und einer Pension mit dem schönen Namen Fjordlicht. Sofort machen sie sich auf, um ihren neuen Besitz in Augenschein zu nehmen. Doch was erwartet sie? Ein baufälliges Haus, in dem es auch noch spuken soll. Die nötigen Reparaturen, erweisen sich als das geringste Problem. Olly, ein sehr aktives Ottermädchen mit Handwerksbetrieb und Freude daran, wenn andere ihr Geld schulden, übernimmt den Fall und richtet alles in kürzester Zeit so her, dass die Gäste kommen können. Bliebe nur noch dem Spuk auf dem Grund zu gehen. Auch das ist irgendwann getan. Nun gilt es nur noch die Gäste, die doch sehr verschiedenartig sind, unter einen Hut zu bringen.

Glück und Spuk und Ach Herrje, ist der erste Teil von Ingvar Ambjørnsens Samson & Roberto Reihe und wurde gerade bei dtv neu aufgelegt. Das hat mich so sehr gefreut. Schon früher habe ich die Bücher um die beiden Pensionsbesitzer mit Begeisterung gelesen und auch meine Enkelinnen lieben sie. Lustig und hintersinnig, wird vermittelt, wie ein tolerantes Zusammenleben funktionieren sollte. Fein illustriert ist das Buch von Peter Schüssow. Überhaupt ist das Buch sehr schön aufgemacht und ich hoffe sehr, dass auch die anderen Teile neu aufgelegt werden. Die Übersetzerin ist Gabriele Haefs.

https://www.genialokal.de/Produkt/Ingvar-Ambjornsen/Samson-und-Roberto-Glueck-und-Spuk-und-ach-herrje_lid_34702629.html?storeID=zapata

Kurzgeschichten · Uncategorized

Wie wir uns besiegten – Kersten Flenter

Wie wir uns besiegten von Kersten Flenter ist im Gonzo Verlag erschienen, diesem kleinen feinen Verlag mit dem Händchen für das Besondere. Die Themen, in denen es in diesen 34 Kurzgeschichten geht, sind wohlbekannt, der Rechtsruck, das Älterwerden, die Landlust und der Sozialabbau. Was der Autor allerdings daraus macht, ist das spezielle. Da gibt es keinen erhobenen Zeigefinger, sondern ein Feuerwerk an Fantasie, Selbstironie und Spaß am Absurden. Kersten Flenter spielt mit dem Abseitigen und ja, man denkt natürlich an Kafka, wenn man etwa „Das Käferzimmer“ liest, allerdings nur auf den ersten Zeilen, dann ist es Original-Flenter. Ganz nebenbei ist es auch noch eine kleine Hommage an Hannover-Linden, wo der Autor lebt.

Ich habe mich lange nicht mehr so gut amüsiert, während man mir die Themen unserer Zeit vor Augen geführt hat. Wortgewandt, satirisch und oft brüllend komisch, ohne jedoch einmal den Ernst des Kerngedankens zu bagatellisieren.

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Wo Rauch ist von Gudrun Lerchbaum

Der Journalist Can ist tot, angeblich an einem anaphylaktischen Schock gestorben. Seine Ex-Frau, die Buchhändlerin Olga Schattenberg, bezweifelt dies, schon weil Can keine Allergien hatte und gerade an einer sehr gefährlichen Story arbeitete, den Verbindungen des türkischen Geheimdienstes zu Nazigruppen in Österreich und Deutschland. Olga will mehr wissen, ist jedoch durch ihre MS-Erkrankung an den Rollstuhl gefesselt. Auf der Beerdigung trifft sie den Trauerredner Adrian und lernt durch ihn seine frühere Freundin Kiki kennen, die eine recht gewalttätige Vergangenheit und eine Psychosehat hat. Über Cans Familie versucht Olga an den Laptop des Verstorbenen zu kommen, doch die mauert. Die Eltern wollen Ruhe, die Schwester ist mittlerweile bei den Kartalar gelandet, einer islamistischen Gruppe, die unter anderen die türkischen Mitbürger im Ausland auf islamkonformes Verhalten hin überwacht. Als auch noch die Polizei sich für den Tod von Can interessiert und herauskommt, dass er auf eine sehr merkwürdige Weise zu Tode kam, wird es brenzelig. Olga, Adrian und Kiki, geraten ins Kreuzfeuer der verschiedenen Fraktionen. Doch nicht nur für sie wird es eng.

Um es gleich vorweg zu sagen. Gudrun Lerchbaum hat da einen Politthriller geschrieben, wie ich ihn mir wünsche. Nah am Zeitgeschehen, spannend, interessant und originell. Sie wählt nicht das klassische Ermittler*innen Team mit einer Hauptfigur und sondern lässt die Geschichte aus den Perspektiven von Olga, Adrian und Kiki erzählen, was den Lesern einen Panoramablick erlaubt. Sie schildert ihre Charaktere sensibel und mit Tiefenschärfe, zeigt sie gleichmaßen in ihrer Verletzlichkeit und Stärke, ohne sich in deren Geschichten zu verlieren und die Handlung zu vernachlässigen. In Lügenland zeigt Gudrun Lerchbaum die Mechanismen des Faschismus auf, die in der Dystopie bereits etabliert sind, in „Wo Rauch ist“ zeigt, die Autorin, wie schnell dieser Umbruch gehen kann, wenn Die an den entsprechenden Schalthebeln es verstehen, gewisse Vorkommnisse zu instrumentalisieren.

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Das Geheimnis der Welt von Jesse Falzoi

25 Jahre war Andreas verschwunden, als seine Schwester einen Anruf erhält, dass er sich im Krankenhaus befindet, mit Schlaganfall, in ihrer alten Heimatstadt Lübeck. Sonia, die sich mittlerweile ein Leben in Berlin aufgebaut hat, macht sich widerwillig auf den Weg nach Lübeck und ist überzeugt, sie wird nur kurz nach Andreas sehen und dann wieder in ihr Leben zurückkehren – zu ihrer Arbeit, zu ihrer Tochter und ihrem Enkel. Doch es kommt anders. Als sie in Andreas Wohnung kommt, entdeckt sie Hinweise darauf, was ihm in den letzten 25 Jahren geschehen ist, allerdings sind es nur Fragmente. Anscheinend war er verheiratet, aber die Frau ist tot. Er hat in Mexico gelebt. Doch wovon? Jedes Puzzleteil, das sie findet, wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt. Andreas selbst gibt ihr keine Erklärungen, angeblich kann er sich nicht erinnern. Als sie denn noch eine große Menge Geld in seinem Badezimmer findet, beschließt sie nach Mexico zu reisen und sich dort auf Spurensuche zu begeben. Diese Spurensuche wird nach und nach immer unwichtiger, wird zu einer Selbstentdeckungsreise für Sonia und konfrontiert sie mit Fragen wie: Wie gut kenne ich meine Nächsten? Welche Geheimnisse und Lügen gab und gibt es in meiner Familie? Was fange ich mit dem Rest meines Lebens an?

Es ist ein sehr vielschichtiges Buch, in dem der Ausgangspunkt, der Schlaganfall und das Wiederauftauchen des Bruders, mehr und mehr unwichtig wird und für die Protagonistin zu einer Aufarbeitung ihrer Vergangenheit wird. Sie entdeckt wie trickreich Erinnerungen sind, welche Geheimnisse in ihrer Familie existieren und wie festgefahren ihr eigenes Leben ist. Besonders hat mir gefallen wie die Autorin surreale Wahrnehmungen, Träume und reale Begegnungen ineinander verwebt, ineinander übergleiten lässt. Gerne mehr dieser Art.